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ist depressiOn privatsache?

Ich habe mich in letzter Zeit oft mit innerer Schwere, tiefer Traurigkeit und Schmerz auseinandergesetzt und mit der Frage, ob und wie man sich damit zeigen soll. Macht es Sinn, diese dunklen Phasen offen zu zeigen oder ist es angebrachter sie weiterhin im stillen Kämmerlein zu durchleben, wie die meisten es tun und ich bisher auch?

Eigentlich liegt es ja in der Natur der Sache, dass die dunklen Seiten eben dunkel sind, also sollen sie vielleicht auch einfach verborgen bleiben?

 

"Es geht viel mehr darum, dass alles seine Zeit hat. Beides sollt ihr erleben, und mitten in der Nacht kann man keinen Tag machen. Man muss einfach warten, bis der Tag von alleine kommt. So einfach ist es. Aber beides gehört doch zu euch und darum müsst ihr auch keinen Hehl daraus machen, dass es die Nacht gibt.

 

 

"Mitten in der Nacht kann man keinen Tag machen.

Man muss einfach warten,

bis der Tag von alleine kommt.

So einfach ist es."

 

 

Das Dunkle (Depression, Schmerz, dunkle Wesenheiten) ist ja nur im Dunkeln, weil es eben kein oder wenig Licht bekommen hat bisher.
In der Nacht seid ihr in doppeltem Sinne im Dunkeln: Ihr träumt in der Nacht und bleibt im Dunkeln darüber (
heisst: nicht bewusst und aktiv dabeisein, sondern passiv erlebend träumen, als Opfer der Traumumstände), weil ihr selbst nicht völlig ausgeleuchtet seid. Und umgekehrt seid ihr tagsüber zwar vermeintlich wach, aber bleibt auch dort im Dunkeln, wenn ihr in vielem, was ihr tut wenig oder gar nicht bewusst seid.

Erwachen kennt keine Grenzen.

Dunkelheit ist nur Unbewusstheit. Deshalb stösst es auch auf nicht so viel Resonanz. Ihr fürchtet euch davor. Und diese Furcht ist gar nicht schlecht. Nichts kann kommen bevor die Zeit reif ist. Die natürliche Furcht, das instinktive Zurückweichen vor einer Sache, schützt dich, solange du nicht reif, solange dein Morgen in der Sache noch nicht angebrochen ist. Jedoch, wenn die Zeit reif ist und du eigentlich mutig genug wärst, aber aus Bequemlichkeit oder Angst vor der Angst das Dunkle nicht anschauen willst, dann hälst du den Fluss des Lebens zurück. Das ist Angst und sie ist Leiden."

 


"Erwachen kennt keine Grenzen."

 

 
Wir neigen dazu, unseren tiefsten Schmerz für uns zu behalten. Ich dachte bis vorhin grad, es sei doch einfach natürlich, dass man in solchen Zeiten alleine sein wolle. Aber auch da kommt jetzt ein "nein nicht eigentlich". Hat es also tatsächlich damit zu tun, dass wir halt noch nie erfahren haben, dass jemand uns diesen Raum halten kann, wenn wir in diesem tiefen Schmerz sind? Weil alle dadurch so sehr Angst vor ihrem eigenen Schmerz bekommen, dass sie einen schleunigst „auf andere Gedanken bringen“ müssen?

 

"Definitv ja! Wenn jemand den Raum für dich hält, dir den Raum gibt, dass du unbehindert und frei in deinem tiefsten Schmerz sein kannst, ihn durchleben kannst ohne Urteil, ohne Zurückweisung ohne überhaupt irgendwas ausser der totalen Annahme dessen, was du gerade bist: Dann ist das das heilsamste, was passieren kann. Ja, und das kann auch mit dir alleine passieren. Wenn es dir gelingt, dich selbst in diesem Schmerz total anzunehmen, dir selbst diesen Raum zu geben. So gesehen spielt es keine Rolle ob du es gegen aussen teilst oder nicht. Und es ist gut, dass ihr diese Fertigkeit entwickelt, jetzt, da ihr ja nicht anders könnt, da ihr noch keine Menschen kennt, die euch diesen Raum geben könnten. Nur wer selber in diesen Tiefen war, kann andere (er)tragen, wenn sie sie auch durchwandern."