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Scheiss auf Fleiss

Wer viel arbeiten geht, gilt als fleissig und wird dafür geachtet.

 

In der alten Welt.

 

Lustigerweise gilt man ja oft als sogar noch fleissiger und "tugendhafter", je mehr man bei der Arbeit leidet, Stress hat oder sonst irgendwie "hart durch muss". Wenn die Arbeit einem zu viel Freude macht, wenn sie einem zu leicht von der Hand geht, ja einem vielleicht sogar noch Energie schenkt, dann, ja, dann muss daran ja etwas faul sein: dann wird man skeptisch begutachtet und die Arbeit nicht ernst genommen.

 

Denn in der alten Welt gilt: Arbeit ist hart! Arbeit muss wehtun! Für Arbeit muss man halt auf dies (Freude) und das (Liebe) verzichten! So, hopp und jetzt weiter im Takt!

Für mich fühlte sich solches Arbeitengehen schon immer und allermeistens wie eine störende Unterbrechung meines eigentlichen Lebens an. Eine Unterbrechung meiner selbst und jener Dinge, die ich eigentlich zu tun hätte. Die ich WIRKLICH zu tun habe hier. Denn diese Art von Arbeit lässt keinen Raum für meine Entfaltung und sie ist auch nicht vereinbar mit meinem ureigenen Rhythmus.

 

Ja, diese Art von Arbeiten ist in Wahrheit genau das Gegenteil von Fleiss. Sie ist viel mehr ein sozial anerkannter Deckmantel um sich innerlich auf die faule Haut legen zu können und nicht Verantwortung für sich selbst übernehmen zu müssen. Denn mit jedem Tag, an dem wir fremdbestimmte Dinge verrichten und es akzeptieren unseren eigenen Rhythmus zu missachten, schieben wir unsere eigentliche Arbeit, ja unser Leben, auf. Mit jedem Tag, an dem wir keine Zeit für das haben, was in uns selbst abgeht, lassen wir uns in die gefährlich weichen Kissen der Unbewusstheit fallen und bringen unser allfällig schlechtes Gewissen/Gefühl zum schweigen, indem wir uns einreden, wie fleissig wir doch seien und wie wichtig unsere Arbeit.

 

Wenn wir das zur Gewohnheit werden lassen, vergessen wir nach und nach das echte Leben und verfehlen den Grund unseres Hierseins.