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Realismus

Eine nette kleine Provokation.

 

„Ich glaube nur, was ich sehe“ ist der Satz, mit dem sich Leute, die sich als Realisten bezeichnen, gerne als solche positionieren.

 

Gemeinhin wird der Satz so verstanden: „Alles, was ich nicht sehe, kann nicht real sein. Wenn jemand erzählt, er fühle, dass etwas so und so sei, könne es mir aber nicht mit sichtbaren Fakten beweisen, so kann ich das nicht ernst nehmen“.

[OMG mir tut der Satz schon beim Schreiben weh :D]

Aber es ist ok, ich werde die lieben Realisten nun überführen. Was sie da sagen mit „Ich glaube nur, was ich sehe“, ist nämlich tatsächlich wahrer und aussagekräftiger als ihnen vielleicht lieb ist.

 

a. Wenn nur das real ist, was er sieht, alles, was er fühlt aber nicht, weil diese Vorgänge ja nicht sichtbar sind, dann muss der logische Schluss daraus sein, dass auch kein Gedanke, den ein Realist denkt, real ist, denn auch einen Gedanken kann man nicht sehen. Ergo: Der Realist mitsamt dem Satz, mit dem er sich so gerne zu erkennen gibt, kann nicht ernst genommen werden, weil ihm jegliche Realitätsgrundlage fehlt.

 

b. Wenn alles, was gefühlt wird, nicht real ist, dann sind also auch alle allfälligen emotionalen, heftigen, negativen Reaktionen eines Realisten auf das soeben gesagte nicht real und nicht ernst zu nehmen.
Die Liebe zu seiner Frau, mit der er vielleicht seit 20 Jahren verheiratet ist, ist auch nicht real, oder sieht man sie etwa, diese Liebe? Ist sie eckig, schwer, leicht, rosa oder pink? Nein, man sieht sie nicht, sie muss also vehement bezweifelt werden!

 

c. Wenn jemand nur glaubt, was er sieht, so sieht er also ja auch nur das, was er glaubt, weil eben genau das, was er sieht, glaubt er ja. So weit so klar? ;) Und damit gibt der sogenannte Realist unbemerkt doch auch die Wahrheit zu, nämlich, dass die Realität von innen nach aussen gebaut wird und nicht umgekehrt, wie er eigentlich hatte behaupten wollen. Man kann nämlich wirklich nur das sehen, was man glaubt. Nur das, was man glaubt, wird man erleben, und in der Welt sehen. Etwas, was man nicht glaubt, gibt es für einen nicht.

 

Aber zugegeben, das geht für einen herkömmlichen Realisten zu weit. Das ist dann nur was für die echten Realisten ;)