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❀ Aufgeben? ❀

Liebe Blütenlesende

 

 

Wenn wir das Gefühl haben, dass uns alles zu viel wird, zu heftig ist, zu schmerzhaft, zu unlösbar die Probleme und wir daran verzweifeln, dann klopft ab und zu die Versuchung des Aufgebens an unsere Tür. Unsere Situation scheint so ausweglos, dass wir uns überlegen einfach alles hinzuschmeissen.

 

 

Ich kenne diese Gedanken sehr gut, jedoch bringen sie mich jeweils nur noch weiter in die Verzweiflung, denn eigentlich habe ich den tiefen Wunsch meine Probleme zu lösen, mein Leben zu befreien...Was also ist zu tun?

 

 

Nichts.

 

 

Es bleibt nur nichts zu tun!

 

 

Ich meine, man ist verzweifelt, man weiss nicht wo und wie weiter, weil man im dicksten Nebel steht...da wäre es ja völlig sinnfrei irgendetwas zu tun oder in irgendeine Richtung zu gehen, nur damit etwas passiert ;)

 

Dieser Drang doch etwas tun oder ändern zu müssen, kommt daher, dass wir die Verzweiflung nicht fühlen wollen. Wir heissen sie nicht willkommen sondern glauben, sie sei schlecht und müsse schleunigst weggemacht werden. Aber genau dieses dagegen Kämpfen bewirkt, dass wir nur noch länger im Sumpf steckenbleiben.

 

 

Meist also erst nachdem ich alle meine Energie im Kampf gegen die Verzweiflung verbraucht habe, aber immerhin! ;), komme ich zwangsläufig auf die glorreiche Idee, erstmal einfach nichts mehr zu tun. Egal wie lang. So lange wie es dann halt nötig sein wird.

 

Das, und nur das hat sich bewährt.

 

 

Ich gebe auf. Aber nicht mein Leben, sondern meinen Kampf dagegen.

 

 

Aufgeben ist tatsächlich also doch eine sehr gute Option, aber es geht darum achtzugeben, WAS man aufgibt.

 

 

Anstatt frustriert alles hinzuschmeissen, weil es nicht so läuft, wie gewünscht, können wir einfach unseren Kampf gegen das aufgeben, was ist.

 

 

Ich liege also einfach eine Weile in dieser Verzweiflung herum, mit dem Willen, sie da sein zu lassen und nicht gegen sie anzukämpfen. Schliesslich ist sie auch nur ein Gefühl, aber halt eins, das wir bisher als negativ beurteilt haben und es deshalb immer gleich loswerden wollten. Wir haben der Verzweiflung noch nie die Chance gegeben bei uns vorstellig zu werden. Wir haben ihr noch nie unsere Aufmerksamkeit geschenkt.

 

Also jetzt mal anders: Wie fühlt sie sich denn eigentlich an diese Verzweiflung? Kann ich sie hereinlassen und einfach so lange mit ihr sein, wie sie da sein möchte?

 

 

Und dann, nachdem ich ihr meine Tür für sie geöffnet und eine Weile mit ihr Zeit verbracht habe, fällt mir irgendwann auf: Eigentlich verzweifeln wir ja nur, weil wir glauben wir müssten etwas zu grosses selber überblicken, etwas zu kompliziertes selber lösen und verstehen oder eine zu verzwickte Lage selber in Ordnung bringen. Und von unserem kleinen, menschlichen Standpunkt aus überwältigt uns das natürlich, es geht einfach nicht, es ist tatsächlich viel zu gross!

 

 

Wie sollen wir überblicken, was wie ein riesiger Berg vor uns liegt?

 

 

Die einzige Möglichkeit, die wir haben ist dann tatsächlich auch wieder: Aufgeben! Aber in einem anderen, im eigentlichen Sinne des Wortes. Nämlich: Wir geben das, was so viel zu gross für uns ist, hinauf. Wir gestehen ein, dass es uns von hier unten aus nicht möglich ist die Führung zu übernehmen und geben sie nach oben ab, nur dort oben kann es Überblick geben.

 

 

Auch wenn wir uns noch nicht vollständig daran erinnern mögen: Es gibt diesen Teil von uns, der gewissermassen höher oben ist als wir. Diesem Teil von uns können wir uns anvertrauen, denn wer Überblick hat, wird den Weg leicht wiederfinden.

 

Indem wir das, was uns überlastet, nach oben abgeben, eben: auf-geben, üben wir uns im Vertrauen und verbinden uns damit automatisch wieder mit dieser höheren Region. Wo vorher die Verzweiflung war, kann jetzt wieder Vertrauen und Einssein einziehen. Sie hat ihren Job getan.

 

Die VerZWEIflung ist gekommen um uns zu zeigen, dass wir uns ent-zweit haben vom Leben.

 

Dass wir meinten, wir seien auf uns allein gestellt und müssten daher selbst die Führung übernehmen...was unmöglich ist.

 

 

Die Verzweiflung kommt, um uns wieder mit dem Leben zu vereinen und uns daran zu erinnern, was wir wirklich sind.

 

 

Alles Liebe

Suva

 

 

...Wälze die Last deines Weges auf den Herrn. Im Vertrauen auf ihn ruhe. Er wird handeln (Psalm 37.5)