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System und Missbrauch

 

 

(follow-up zur Blütenlese "Sucht und Missbrauch beenden")

 

Auf der allgemeinen, tief und unbewusst verankerten Annahme, als Mensch keinen genuinen Wert zu haben, fusst unser ganzes Wirtschaftssystem. Mit Menschen, die ihren wahren Wert kennen, kann so ein ausbeuterisches System nicht aufrecht erhalten werden.

 

 

 

Wer dem System die Grundlage entziehen will, und vor allem, wer sich selbst davon befreien will, mache sich also auf die Suche nach seinem wahren Wert.

 

 

 

In der alten, eben von diesem System geprägten Welt lernen wir, dass wir erst ein wertiges Mitglied dieser Gesellschaft sind, also überhaupt erst einen Wert haben, wenn wir uns anpassen, einordnen und Geld verdienen.

 

 

 

Wer dagegen nun gerade vehement protestiert, dem sei nahegelegt, wie unverhohlen das System diese Tatsache ja sogar selbst zugibt. Zum Beispiel im Begriff der „Invalidität“. Wir benutzen ihn für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr (in „normalem“ Ausmass) arbeiten können. Es wäre gut, das Wort wirklich zu verstehen, das wir da benutzen. Invalide kommt vom Lateinischen „invalidus“ und bedeutet ungültig.

 

 

 

Woraus man den offenbarenden Umkehrschluss erkennen kann: Ein Mensch hat in diesem System eigentlich nur Gültigkeit (Daseinsberechtigung, Wert), wenn er - nach vorgegebenen Erwartungen – leistet.

 

 

 

Das Wort „Invalide“ ist eine einzige Schande und müsste eigentlich sofort verboten werden. Aber offenbar verstehen oder kümmert nur die wenigsten, was es bedeutet und so kann man es getrost weiterschmuggeln und -verwenden und stattdessen abendfüllende Diskussionen über die political correctness von Ausdrücken wie „schwarz“ und „weiss“ oder das *In-Schwänzchen an maskulinen Worten abhalten...

 

 

 

 

Selbstwert. Wo ist er uns abhanden gekommen?

 

Ein kleines Kind hat ihn noch, ganz selbstverständlich.
Hey, ihm wird in jedem Moment diese phantastische Welt geschenkt! Es ist ihm einfach klar, dass es unendlich wertvoll sein muss! Und ganz zu Beginn bekommt es auch noch überwiegend dieses Feedback von seiner Umgebung: All die Liebe und Aufmerksamkeit, die dem kleinen Baby (im Normalfall) entgegengebracht wird! Es ist eine einzige Wonne, ein Paradies.

 

 

 

Doch bald schon kriegt es Schimpfe und kassiert Ablehnung für gewisse Dinge, die es tut oder nicht tut, es bekommt eigentlich ständig nur noch Sätze an den Kopf geschmissen wie „Nein, hör auf!“, „Stopp, das sollst du nicht!“, „Sei brav“, „Psssssst! Nicht hier“, „Nicht so laut“, nicht so und nicht so, nicht hier und nicht da. Oder ihm wird Honig um den Mund geschmiert, wenn es „lieb“ ist, also so, wie man es haben will.

 

Es versteht schnell, dass es die Liebe, oder eher positive Aufmerksamkeit und Fürsorge, die es braucht, nur bekommt, wenn es all diese Bedingungen erfüllt, die die Erwachsenen ständig an es stellen. Und je weicher es ist, desto leichter adaptiert es alles und gilt dann als „liebes, pflegeleichtes“ Kind, was im Grunde aber eigentlich bedeutet: Ein bereits stark verbogenes, sich selbst verleugnendes Kind. Einige Kinder reagieren auch mit Rebellion und totalem Widerstand, weil sie verstanden haben, dass ihnen auch das die Aufmerksamkeit (Energiezuwendung) bringt, die sie brauchen.

 

 

 

Grundsätzlich erhält das Kind durch diese Behandlung die Information: „Ich bin nicht ok so wie ich bin. Sie lieben mich nicht, so wie ich bin, also muss etwas an mir grundlegend verkehrt sein. Ich bin schlecht. Ich muss all diese unerwünschten Dinge an mir vor den Menschen verstecken, sonst werde ich nicht geliebt. Ich bekomme Liebe nur, wenn ich so bin, wie sie es mir sagen“

 

Und damit ist bereits die beste Voraussetzung dafür geschaffen, das Kind erfolgreich zu einem „gültigen“ und funktionierenden Mitglied des Systems zu machen.

Spätestens in der Schule lernt es dann, dass es nur Anerkennung erhält, wenn es gute Leistung erbringt. Die Information, die es hier weiter verinnerlicht und ausbaut, lautet: „Ich werde nur angenommen, wenn ich tue, was andere wollen. Ich bin nur wertvoll, wenn ich leiste, was von mir verlangt wird“. Dinge, die es liebt und aus Freude gerne tut, die aber keine Schulfächer sind, legt es mit grosser Wahrscheinlichkeit nach und nach ab und wird sie bald selbst als wert- und nutzlos einstufen.

 

 

 

Mit dem Satz „Ich werde nur angenommen, wenn ich tue, was andere wollen“ ist der Grundstein gelegt, um den Missbrauch weiter gedeihen zu lassen. Ein weiteres Mitglied des Systems ist herangezogen worden, das sich ganz leicht missbrauchen lässt, da es sich so verzweifelt nach Akzeptanz und Liebe sehnt, dass es alles mögliche dafür tun wird.

 

Je weniger wahre Liebe das Kind in frühen Jahren erlebt hat, desto mehr wird es später auf diesen Satz reinfallen und hoffen auf diese Weise an die ersehnte Liebe zu kommen. Im Arbeitsleben genauso wie in Beziehungen übrigens.

 

 

Seinen Selbstwert, ergo sich selbst!, hat es längst auf der Strecke gelassen. Wenn ich so, wie ich bin, nicht willkommen bin, sondern nur dann, wenn ich mich nach dem Geschmack der anderen verbiege, dann muss ich glauben, selbst keinen Wert, keine Gültigkeit, keine Schönheit und keine Liebenswürdigkeit zu besitzen, und den einzigen Ausweg darin sehen, ein bisschen Wert von anderen zu erhaschen, indem ich mich ihren Wünschen gemäss verhalte.

Das bringt uns Aufmerksamkeit, etwas Anerkennung, Applaus, aber nach einigen Enttäuschungen merken wir, dass es sich dabei eben doch auch nicht um die Liebe handelt, nach der wir uns sehnen und die wir so dringend brauchen. Jedoch kennen wir nichts anderes und so rennen wir immer tiefer in den Missbrauch.

 

 

 

Den Teufelskreis durchbrechen kann nur das Wiederfinden des eigenen, ursprünglichen Wertes.

 

 

Der Mensch braucht Liebe, aber solange er sich für wertlos und sich ihrer nicht würdig hält, kann er sie nicht annehmen, auch wenn sie ihm auf dem Silbertablett serviert würde.

 

 

 

Der Weg zurück zu Freiheit und Liebe ist ein Weg zurück durch unsere eigene, persönliche Geschichte, auf dem wir die uns aufgetischten und von uns „gefressenen“ Lügen als solche enttarnen und eine nach der anderen, oder gleich alle miteinander, entsorgen. Unter all diesen Lügen liegt seit eh und je unangetastet unsere wahre, strahlende Schönheit, unser wahrer unbezahlbarer und unvergleichlicher Wert. Dort liegt unser Potential und unser ureigenes Geschenk, das durch uns auf die Erde kommen möchte.

 

 

 

Je mehr wir wieder beginnen uns selbst anzunehmen genau so wie wir jetzt gerade sind, unsere Eigenart zu entdecken und zu lieben, desto schöner und freier wird die Welt für uns. Wer sich liebt und annimmt, wie er ist, wird weder Missbrauch üben noch Missbrauch an sich selbst zulassen. Er wird gängige Arbeitsbedingungen nicht mehr akzeptieren oder sich gleich seinen eigenen Weg suchen. Wenn alle Menschen ihren wahren Wert kennen würden, gäbe es keine Arbeitskräfte mehr, dank denen der Kapitalismus erst funktioniert. Es gäbe keine Konsumenten mehr und es gäbe ganz sicher niemanden mehr, der in den Krieg ziehen will. Das System wäre am Ende. Das ist die „gefährliche“ Wahrheit.

 

 

 

 

Unser System ist ein System, das auf Missbrauch beruht und weiteren Missbrauch generiert, da es nur dank ihm weiter bestehen kann.

Um das System am Laufen zu halten, wird den Menschen seit Jahrhunderten in verschiedenster Weise das Bewusstsein um ihren wahren Wert abtrainiert.

 

Es ist eine einzige Lüge.

 

 

 

Wenn wir frei sein wollen, müssen wir nur endlich aufhören, diese Lügen zu glauben.